Montag, April 18

Filmkritik: Buried


Paul Conroy erwacht in einem Sarg, der tief unter der Erde begraben liegt. An die letzten Stunden hat er keine Erinnerung, ein Feuerzeug ist seine einzige Lichtquelle, ein Handy seine einzige Möglichkeit, mit der Oberwelt Kontakt aufzunehmen. Was nach einer unmöglichen Idee für einen Film klingt, wird in „Buried“ zu einem ambitionierten, sehr klug umgesetzten Erlebnis.


„Buried“ macht seine Prämisse ohne Tricks und doppelten Boden wahr: Ryan Reynolds, der der Hauptfigur sein Gesicht leiht, liegt, von der Außenwelt abgeschnitten, in einem engen Holzsarg, kann sich nur wenig bewegen und kämpft um sein Leben. Wer sich, wie ich, kaum vorstellen kann, wie es möglich sein sollte, so eine Idee spannend und vor allem abwechslungsreich zu inszenieren, wird von „Buried“ eines Besseren belehrt.

Dass der Film trotz seiner räumlichen Begrenzung nämlich doch funktioniert, ist vor allem der Umsetzung des Regisseurs Rodrigo Cortés und des Kameramanns Eduard Grau geschuldet. Ab der ersten Sekunde wird klar, dass der Zuschauer mit Reynolds gemeinsam gefangen ist, und dass Reynolds Figur nur einen kleinen Wissensvorsprung besitzt, der nach kurzer Zeit schon keine Rolle mehr spielt. Danach ist die Kamera nicht mehr nur ein Mittel zur Beobachtung des Geschehens, sondern eine visuelle Repräsentation der Gefühle und Gedanken der Hauptfigur. Mehr als ein Mal stellt sich der aufmerksame Beobachter die Frage, wie manche Einstellung logistisch möglich waren, dann wieder wird er von einer überraschenden Wendung oder dem sehr passenden Soundtrack gefangen genommen. Die Inszenierung ist damit der erste Grund, warum „Buried“ so gut ist; der zweite ist Ryan Reynolds.

Über Reynolds ist bereits sehr viel geschrieben worden; manche Kritiker behaupten, er sei zu laut, zu überheblich, zu unsympathisch und für die Rolle einfach nicht geeignet. All diesen Kritikpunkten muss ich widersprechen: Sowohl sein Körperbau als auch sein Auftreten verleihen der Geschichte die nötige Schwere, die den Streifen weder übermäßig sentimental noch übermäßig phantastisch wirken lässt. Auch wenn Reynolds de facto nur gegen sich selbst und seine direkte Umgebung anspielt, ist er immer glaubhaft, und stemmt den Film letztlich problemlos alleine.

Die Verbindung aus einer eigenwilligen Idee, einer passenden Umsetzung und einem überzeugenden Hauptdarsteller macht „Buried“ damit zu einer großen Empfehlung, auch wenn das Setting sicher nichts für klaustrophobe Gemüter ist.


Fazit: Geglücktes Filmexperiment, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

1 Kommentar:

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich hätte zu Beginn nicht gedacht, dass ein so unglaublich minimalistisches Setting, eine komplette Spielfilmlänge über spannend bleibt. Und das bis zum Schluss. Doch wie man sieht, funktioniert es überaus gut.

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