Freitag, März 11

Filmografie: Edgar Wright

Auch wenn man mit dem Namen Edgar Wright vielleicht nicht sofort etwas anfangen kann, kennt man sicher seine Filme: Streifen wie „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ sind längst zu Kultfilmen aufgestiegen, wenn auch nur in einem sehr speziellen Zuschauerkreis. Seine Drehbücher sind mit Anspielungen an die Pop-Kultur nur so durchzogen, seine Regie kennzeichnet sich vor allem durch eine große Anzahl an Schnitten und einem sehr hohem Erzähltempo aus. Simon Pegg und Nick Frost spielen in beinahe allen seinen Streifen sowie in „Spaced“ , Wrights einziger Fernsehserie, die Hauptrollen und gelten zu Recht als eines der besten  modernen Duos. Auch wenn der Brite bisher noch nicht viele Streifen gemacht gelten sie unter Nerds als absolutes Pflichtprogramm – ob sie diesen Status in meinen Augen verdient haben wird sich nachfolgend im Einzelnen zeigen.


Spaced
Zwei größtenteils motivationslose Mitt-20iger ziehen zusammen in eine Wohnung und versuchen, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Was recht simpel und nicht allzu spannend klingt, wird nach wenigen Folgen zu einer der besten britischen Serien und zeigt, dass Edgar Wright schon sehr früh viel von seinem Handwerk verstand. Die Serie ist gerade dann besonders unterhaltsam, wenn sie die 90er parodiert und zur selbstreferenziellen Comedy wird, ohne dabei die Charakterentwicklung der beiden Hauptfiguren zu vernachlässigen. „Spaced“ ist ein absolutes Must-See für alle Nerds und Tagträumer, für alle anderen wird sie aus den gleichen Gründen aber auch nur halb so spaßig sein.

Fazit: Must-See.



Shaun of the Dead
Die Zombie-Apokalypse ist da, und Shaun (Simon Pegg) ist der letzte der es mitbekommt. Was von Simon Pegg selbst als Horror-Film mit Comedy-Elementen bezeichnet wird ist genau das Gegenteil: Ein Streifen ohne komödiantischen Biss und ohne jeden Anflug von Horror, der sich glücklich schätzen kann, ein durchweg überzeugendes Ensemble vorweisen zu können. Pegg selbst stiehlt sogar den Zombies die Show und ist Highlight eines Films, der nicht genau weiß was er will und letztlich ohne Höhepunkte bleibt.

Fazit: Mix aus Horror und Komödie, der nicht genau weiß was er will und sein großes Potenzial nicht genügend ausschöpft. Fans schauen rein, alle anderen schauen Probe.



Hot Fuzz
Während „Shaund of the Dead“ eine Parodie auf Zombie-Streifen ist und sich zusätzlich als Teil des Horror-Genres etablieren will, macht „Hot Fuzz“ das gleiche mit dem Buddy-Cop-Genre. Simon Pegg spielt hier den Superbullen, der aufs Land versetzt wird, um mysteriöse Morde aufzuklären. Um ganz ehrlich zu sein: Ich hab nicht verstanden ob ich die Story ernst nehmen soll oder Wright das gar nicht von mir erwartet. Wenn  eine Parodie nur schwer als solche erkennbar ist macht sie etwas falsch. Wie auch „Shaun of the Dead“ verschwindet Hot Fuzz für mich damit im Niemandsland zwischen sich widersprechenden Elementen und macht eigentlich nichts falsch, aber auch nichts so wirklich richtig.

Fazit: Stellenweise unterhaltender, aber sehr konfuser Streifen der weder Fisch noch Fleisch ist. Wer „Shaun of the Dead“ mag wird sich sicher auch mit diesem anfreunden können.  



Scott Pilgrim vs. The World
Was ich Wright seit Beginn seines Schaffens wünsche, wird hier endlich wahr: „Scott Pilgrim vs. The World“ ist die perfekte Symbiose aus Regie, Ensemble und Drehbuch, und zeigt der Welt, wie ein Comic auf die Leinwand gebracht werden sollte: Schnell, humorvoll und am Ende doch mit Herz und Verstand.


In „Scott Pilgrim vs. The World“ versucht der Titelheld - sympathisch dargestellt von Michael Cera - sein Herzblatt Ramona Flowers für sich zu gewinnen, muss dafür allerdings ihre sieben bösen Ex-Freunde im Kampf besiegen. Von Realismus ist dabei zum Glück keine Spur: Hier hat der Held mehr als nur ein Leben, besiegte Feinde werden nach alter Videospieltradition nach ihrem Ableben zu Münzen und die Kämpfe selbst sind so rasant und einfallsreich inszeniert dass man sich fragt, warum es so lange gedauert hat, bis jemand sich so eines Stoffes in dieser Form angenommen hat.


Zum ersten Mal war Wright nicht Urheber der Story, sondern adaptiert hier einen Comic, der ähnlich wie Wrights eigenes Schaffen mit Verweisen auf die Pop-Kultur nur so durchzogen ist. Wright scheut sich nicht, die Ästhetik des Originals in bewegte Bilder zu übertragen und kreiert damit einen sehr eigenen Look inklusive durchweg hochwertigen Special Effects, dem man sich kaum entziehen kann. Gepaart mit einem abwechslungsreichen Soundtrack – der von diversen Bands beigesteuert wurde – wird damit aus „Scott Pilgrim“ ein humorvolles, actionreiches Erlebnis, das aufgrund seiner Ambitionen und Eigenheiten vielleicht auf den ersten Blick etwas überdreht anmutet, letztlich aber genau wegen dieser Ambitionen frischen Wind auf die Leinwand bringt.

Fazit: Hervorragend besetzte, rasant inszenierte Komödie mit Herz und Verstand, die in einer eigenen Liga spielt. Einer der besten Filme des letzten Jahres.

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